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1. Juni - 12. Juni 2011 11
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WHAT CRISIS?
Das 11. Internationale A•DEvantgarde-Festival
München Juni 2011
Zum elften Mal findet in diesem Jahr das A•DEvantgarde-Festival statt. Und damit wird auch der „Stab“ weitergereicht an die nächste Generation: Die jungen Komponisten Markus Lehmann-Horn und Johannes X. Schachtner sind die künstlerischen Leiter der A•DEvantgarde 2011.
Das ist beste A•DEvantgarde Tradition, denn gegründet wurde das Festival Ende der 1980-er Jahre von einer Komponistengeneration, die sich auf die Fahnen schrieb den Musikbetrieb aufzubrechen und eine Plattform für vornehmlich junge Komponisten zu schaffen – und das in größtmöglichster ästhetischer Bandbreite und ohne stilistische Eingrenzungen. Wichtig war es dabei stets Starrheit und Verkrustung entgegenzuwirken und kontinuierlich junge Kollegen in die Festivalleitung zu integrieren.
Keine Nachwuchskrise also bei A•DEvantgarde – und ansonsten? Krisen allerorten, so scheint es… Die Krise der politischen Klasse, die Krise der Demokratie, die Krise der Wirtschaft, die Krise der Kunst, die Krise der Künstler! Wir sind – scheinbar oder tatsächlich? – umgeben von lauter Krisen.
Doch sind das wirklich alles Krisen oder werden wir nur durch eine besonders übertreibungsfreudige „Medienlandschaft“ in Krisen geredet? Und: Bemerkt nicht gerade die Kultur einen tief greifenden und teilweise schmerzhaften Umwandlungsprozess, der wohl objektiv schon als Krise zu bezeichnen ist?
What crisis? also – unter diesem Motto steht das 11. A•DEvantgarde-Festival und präsentiert im Zentrum dieser Frage neue politische Lieder. Was kann heute ein Lied an Kritik, Satire oder auch Utopie ausdrücken? Komponisten und Dichter verschiedener Ästhetiken, Generationen und politischer Anschauungen geben im Konzert Ein garstig Lied! Pfui! musikalische Antworten.
Auch gerne beschworen: Die Krise der Glaubwürdigkeit. A•DEvantgarde stellt sie im Familienmusiktheater Versprochen, Froschkönig, versprochen! in den Mittelpunkt des tradierten Märchens. Muss man Versprochenes halten? Die Prinzessin jedenfalls hat keine Lust dazu und der König vergisst einfach seine Versprechen – bleibt noch der Frosch…
Und die Musik selbst? Die Neue Musik – ein elitärer Elfenbeiturm ohne gesellschaftliche Relevanz, die Oper – ein totes Genre, die Popmusik – reiner Kommerz ohne künstlerischen Anspruch, die Klassik – gleichzeitig in Vergreissung begriffen und trivialisiert; das sind die Schlagworte des zeitgenössischen Diskurses. In drei sehr unterschiedlichen Konzerten geht A•DEvantgarde diesen Fragen nach.
Kabeln, Schalter und Speicherkarten; heutige Komponisten sind nicht mehr notwendigerweise Zulieferer von Partituren für Instrumentalisten, sondern hochgradige Individualisten, die ihre Persönlichkeit schon mit der Art der Klangerzeugung ausdrücken. Privatissimum als Ausdruck einer Krise oder ein unendlicher Fundus neuer ästhetischer Möglichkeiten fragt Homerecording.
Tote Klassik? – nicht beim A•DEvantgarde-Festival, denn hier kommt Rochus Aust Hommage an Joseph Haydn mit 220 Volt ins Spiel. Ventilatoren, Föhns, Rasierapparate, Staubsauger ein ganzes Symphonieorchester aus 127 elektrischen Geräten ist das 1. Deutsche Stromorchester. Ein eher performativer und augenzwinkernder Kommentar zum Stand der Klassik heute, der mit der Diskrepanz zwischen Alltagsgegenstand und hochkulturellem Anspruch spielt.
Und zum Schluss – respektive zum Anfang, denn mit diesem Konzert eröffnet das A•DEvantgarde-Festival 2011 – unser Gastkonzert Nordlicher mit dem kanadischen Ensemble Aventa. Werke für Kammerorchester von kanadischen und skandinavischen Komponisten stehen auf dem Programm, flankiert von zwei Uraufführungen ihrer deutschen Kollegen.
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